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"Werden Sie Augenzeuge"

von Norbert Schäfer

Der Auftrag an Johannes (Offenbarung 1,9-19)

9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. 10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, 11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. 12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 15 und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. 17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. 19 Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach."

"Christen im Journalismus". Eine spannende Mischung. Christ und Journalist. Steht man bereits als Angehöriger einer Teilmenge schon als Sonderling in der Öffentlichkeit, so ist die Kombination, vielmehr die Addition beider Teilmengen eine kritische Masse. Christen werden in der Gesellschaft belächelt, sind sie doch die letzten Träger vermeintlich antiquierter Verhaltensnormen und Werte. Was gefragt ist, ist der Wandel. Beständigkeit scheint in unserer Gesellschaft vordergründig keinen Platz mehr zu haben. Journalisten gelten oft als Schmutzfinken, die aus dem Leid und Unglück anderer Menschen Schlagzeilen produzieren und sich wie Aasfresser am Kadaver ihrer Opfer weiden. Für beide Gruppen würde eine PR-Agentur dringend eine aufpolierende Imagekampage verordnen.

Ethik in den Medien. Das ist auch ein Arbeitsschwerpunkt des Christlichen Medienverbundes KEP. Unter Ethik versteht man verkürzt gesagt die Entscheidungsmuster, die sich auf Normen gründen. Christliche, oder besser gesagt christlich journalistische Ethik gründet sich auf den Normenkanon der Bibel.

"Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach."

Das Bibelwort beginnt mit einem Imperativ. Schreibe! Erzähle nicht, male nicht - sondern schreibe. Schaffe etwas, das als Quelle jederzeit überprüfbar ist. Etwas, das durch die Geschmäcker von Zuschauern oder Weitersagern nicht verzerrt, gar verfälscht wird. Die Niederschrift ist die Grundlage aller wissenschaftlichen Arbeit. Wer schreibt der bleibt, sagt der Volksmund. Nur was niedergeschrieben wurde, hat Bestand.

Schreibe, was Du gesehen hast. Der zweite Teil dieses Satzes gehört ins Stammbuch jedes Journalisten. Schreibe, was Du selbst gesehen, gehört und erlebt hast. Verlass dich nicht auf Dritte. Du musst dabei gewesen sein. Das Motto des Senders N24 - "Werden Sie Augenzeuge". Ein geschickter Claim. Dem Zuschauer, dem letzten Glied in der Informationskette wird suggeriert, er sei selbst dabei. Am Ort des Geschehens. Live. Welch ein Trugschluss. Der unkritische Zuschauer ist immer der Dumme. "Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht." (Mark Twain)

Alle Informationen fallen in ein Bett aus vorbereiteten Meinungen, Erinnerungen und Gewohnheiten. Auch beim Journalisten, der, wohl an der Quelle, sein Bild der Wahrheit, der Tatsachen im Bett vorgefertigter Meinung verändert hat. Was kommt also letztlich beim Informationskonsumenten an?

"Ich gebe ungern Interviews, weil ich immer Schwierigkeiten habe, mich an die Lügen zu erinnern, die ich beim letzten Mal erzählt habe." (Roger Moore)

Da beginnt das Dilemma des Journalisten. Berichtet der Journalist wahrheitsgemäß, wird er oft ohne Vorsatz zum Handlanger der Lüge. Zum Hermesboten der Unwahrheit. Was ist wahr, was ist gelogen?

Was kann ich guten Gewissens berichten, was muss ich nachprüfen, und was tue ich, wenn sich herausstellt, alles war gelogen? Journalismus hat viel zu tun mit dem Abwägen von Gefahrenpotentialen. Für den Journalisten, für den Zuschauer, für das Objekt, für die Allgemeinheit.

"Die Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man sie fortwälzt, je größer wird sie." (Martin Luther)

"Schreibe, was ist."

Ein zeitliche Variante: Berichte, was aktuell geschieht. Verbreite keine alten Kamellen. Langweile den Leser nicht mit dem Schnee von gestern. Schreibe, was gerade geschieht. "Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern." Eine wahrnehmungstechnische Variante. Beschreibe den Zustand, der sich momentan vor deinen Augen offenbart. Werde Augenzeuge. Bediene dich bei der Berichterstattung nicht der Vermutung. Notiere, was Du und 1000 andere sehen könnten, wären sie alle mit dir am Ort. Lass ab von der Mutmaßung. Phantasie überlass dem Bildhauer.

"...und was geschehen soll."

An dieser Stelle wird es sehr kompliziert. Soll der Journalist gleichsam dem Propheten Äußerungen über die Zukunft verbreiten? Soll er sich für den Leser Gedanken über die Zukunft machen? "Das könnte geschehen, weil dieses und jenes bereits so passiert ist und daraus zwangsläufig jenes und solches folgen muss ..." Sehr sehr fragwürdig. Er hat ja alle Fakten gesammelt, hat das Offensichtliche analysiert - soll er nun nicht auch zu einem Schluss kommen? Johannes hatte in seiner Situation einen enormen Vorteil. Er hat "wirklich gesehen", was dereinst geschehen wird. Quasi als Augenzeuge von Ereignissen, die in der Zukunft stattfinden werden. Der Journalist hat diese Möglichkeit nicht. Alle Schlüsse und Aussagen über die Zukunft bleiben letztendlich Vermutungen.

Hilfreich für Christen, die als Journalisten arbeiten, ist die Lektüre verschiedener Autoren, deren Textsammlung in dem Bestseller "Die Bibel" veröffentlicht wurden. Wir haben als Christen und als Journalisten einen hohen Auftrag zu erfüllen. Das zu berichten, was wir gesehen haben, offen zu lassen, was zukünftig sein könnte und uns nicht zu Handlangern der Lüge zu machen.

Als Christen benötigen wir einen externen Maßstab, an dem wir ablesen und erkennen können, was gut und böse, richtig und falsch ist. Die Bibel - Gottes Wort. Christen, die als Journalisten arbeiten, müssen
sich von der Bibel, nicht von der Auflagensteigerung leiten lassen.

Norbert Schäfer (Greifenstein)

 

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